Claude for Legal steht für den Einsatz von Claude in juristischen Workflows. Das System kann lange Vertragsunterlagen zusammenfassen, Klauseln gegenüberstellen, Informationen extrahieren und erste Formulierungen entwerfen. Die Qualität des Ergebnisses hängt weiterhin vom konkreten Workflow, den bereitgestellten Quellen und der menschlichen Kontrolle ab.
Dieser Beitrag ordnet Claude aus Sicht österreichische Kanzleien und Rechtsabteilungen ein. Er beschreibt konkrete Aufgaben und die Fragen, die vor der Arbeit mit vertraulichen Dokumenten geklärt werden sollten.
Was Claude in der Vertragsarbeit sinnvoll übernehmen kann
Anthropic zeigt für Legal-Teams unter anderem Workflows für Vertragsprüfung, Redlining, Extraktion und Drafting. Diese Aufgaben haben eines gemeinsam: Es gibt ein Dokument, einen klaren Prüfauftrag und ein Ergebnis, das eine Juristin oder ein Jurist kontrollieren kann.
Besonders brauchbar sind Aufträge wie: "Stelle Kündigungsfristen und Verlängerungsmechanismen in einer Tabelle gegenüber", "Finde alle Haftungsbegrenzungen und nenne die Fundstelle" oder "Formuliere eine Alternative anhand dieses freigegebenen Standards". Weniger belastbar ist die offene Frage, ob ein ganzer Vertrag "gut" oder "rechtssicher" sei. Dafür fehlen Perspektive, Risikobereitschaft und Rechtsgrundlage.
Fünf Workflows mit einem prüfbaren Ergebnis
1. Eine Klausel verstehen
Lass dir zunächst Wortlaut, wirtschaftliche Wirkung, Abhängigkeiten und offene Begriffe getrennt darstellen. Verlange Fundstellen und bitte Claude, Unsicherheit ausdrücklich zu markieren.
2. Informationen aus mehreren Dokumenten extrahieren
Definiere vorab die Spalten, etwa Partei, Laufzeit, Kündigung, Haftung und anwendbares Recht. Prüfe anschließend stichprobenartig jede Zeile gegen das Original. Eine saubere Tabelle ist noch kein Beleg für vollständige Extraktion.
3. Gegen einen Standard vergleichen
Gib den freigegebenen Standard und die zu prüfende Fassung gemeinsam vor. Claude sollte Abweichung, Fundstelle und mögliche Folge getrennt ausgeben. Ohne Referenz erfindet das Modell sonst leicht einen vermeintlichen Marktstandard.
4. Eine Formulierung vorbereiten
Beschreibe Parteiinteresse, Verhandlungsziel und Grenzen. Bitte um eine Änderung, die so klein wie möglich bleibt, und kontrolliere Definitionen, Querverweise und Folgeänderungen im gesamten Dokument.
5. Das Ergebnis verifizieren
Rechtsaussagen brauchen eine aktuelle Primärquelle. Prüfe Zitate, Normstand und Rechtsraum selbst. Claude kann bei der Struktur helfen, ersetzt aber keine verlässliche Rechtsdatenbank und keine juristische Freigabe.
Konkretes Beispiel: Einen Lieferantenvertrag prüfen
Für einen ersten Test eignet sich ein Vertragstyp mit einem vorhandenen Playbook, etwa eine Lieferanten-MSA. Im ersten Durchlauf extrahiert Claude Laufzeit, Leistungsänderungen, Abnahme, Gewährleistung, Haftung, Datenschutz, IP und Kündigung mit Fundstellen. Im zweiten Durchlauf erhält das Modell nur den freigegebenen Standard und soll jede Abweichung einer konkreten Standardposition zuordnen.
Die Ausgabe sollte drei Ebenen trennen: Was steht im Vertrag, wie weicht es vom Standard ab und welche Frage muss das Legal-Team beantworten? Damit bleibt sichtbar, ob Claude Text extrahiert oder bereits bewertet. Eine Formulierung wie "Haftungsklausel ist marktüblich" reicht nicht; verlangt werden die konkrete Klausel, der Vergleichstext und die Auswirkung für die gewählte Partei.
Erst danach folgt das Drafting. Für jede angenommene Änderung wird ein möglichst kleiner Redline-Vorschlag erstellt. Anschließend prüft eine Person Definitionen, Querverweise, Rangfolge und wirtschaftliche Folgen im vollständigen Dokument. So entsteht ein nachvollziehbarer Ablauf statt eines einzigen großen Prompts mit scheinbar fertigem Ergebnis.
Claude ist nicht gleich Claude
Vor dem Upload eines Vertrags musst du die verwendete Produktvariante kennen. Persönliche Claude-Konten, Claude for Work beziehungsweise Enterprise und die Anthropic API folgen unterschiedlichen Vertrags-, Administrations- und Aufbewahrungsregeln.
Anthropic erklärt für kommerzielle Angebote, Chats und API-Inhalte nicht standardmäßig zum Modelltraining zu verwenden, außer ein Kunde entscheidet sich ausdrücklich dafür. Bei der Aufbewahrung bestehen dennoch Unterschiede: API-Ein- und -Ausgaben werden nach der veröffentlichten Standardregel innerhalb von 30 Tagen gelöscht, soweit keine Ausnahme oder andere Vereinbarung gilt. In zustandsbehafteten Produkten werden Chats gespeichert, damit sie später fortgesetzt werden können; Enterprise bietet eigene Aufbewahrungseinstellungen. Zero Data Retention ist eine gesonderte Vereinbarung und gilt nicht automatisch für jede Oberfläche.
Auch Standort und Datenresidenz sind getrennt zu prüfen. Anthropic nennt für kommerzielle Angebote Verarbeitung in mehreren Regionen und standardmäßige Speicherung in den USA, sofern nichts anderes vereinbart wurde. Eine erreichbare Website in Europa ist daher kein Nachweis für eine bestimmte Speicher- oder Verarbeitungsregion.
Was vor vertraulichen Dokumenten geklärt sein muss
Prüfe Vertrag und konkrete Konfiguration: Wer ist Vertragspartner? Welche Produktoberfläche wird verwendet? Gibt es einen AVV, eine aktuelle Unterauftragnehmerliste und passende Transfermechanismen? Wie lange bleiben Chats, Projekte, Dateien, Logs und Sicherungen erhalten? Welche Administratoren können Daten exportieren oder Funktionen aktivieren?
Connectoren und Plugins verdienen eine eigene Prüfung. Sie können den Workflow verbessern, erweitern aber auch die erreichbaren Datenquellen und möglichen Aktionen. Zugriffsrechte, Freigaben und Protokollierung müssen zur Aufgabe passen. Für Kanzleien kommt die Prüfung von Verschwiegenheitspflicht und Mandatsbedingungen hinzu.
Claude und CASUS nach Aufgabe vergleichen
Claude ist ein allgemeines KI-Arbeitssystem mit Chat, Dokumenten, Integrationen und API. CASUS Risk Review ist auf strukturierte Vertragsprüfung ausgerichtet; CASUS Chat Actions setzen konkrete Änderungen im Vertragsdokument um. Die CASUS Sicherheitsseite dokumentiert die technischen Grundlagen. Für eine faire Auswahl solltest du deshalb denselben Vertrag und denselben Auftrag testen.
Miss nicht nur, wie überzeugend die Antwort klingt. Prüfe Fundstellen, übersehene Klauseln, Korrekturaufwand, Übernahme ins Dokument, Berechtigungen und Datenbedingungen. Ein guter allgemeiner Assistent kann für Recherche und Entwurf passen; ein eingebetteter Vertragsworkflow kann bei wiederkehrenden Reviews weniger Übertragungsarbeit verursachen.
So lässt sich die Qualität fair messen
Lege vor dem Test zehn bis zwanzig Fragen fest, deren richtige Antwort im Vertrag bekannt ist. Dazu gehören leicht auffindbare Angaben und schwierige Fälle wie Ausnahmen, verstreute Definitionen oder widersprüchliche Anlagen. Erfasse pro Frage, ob Fundstelle und Antwort richtig, unvollständig oder falsch sind.
Miss zusätzlich falsche positive Findings. Ein System, das sehr viele Risiken nennt, kann mehr Nacharbeit verursachen als eines mit einer kürzeren, präziseren Liste. Für Drafting zählt, wie viele Vorschläge ohne materielle Korrektur übernommen werden können und ob ungewollte Änderungen an Definitionen oder Nachbarklauseln entstehen.
Der Vergleich bleibt nur fair, wenn Produktvariante, Dokumente, Prompt und verfügbare Quellen gleich sind. Änderungen an Modell, Connectoren oder Retention sollten getrennt dokumentiert werden. So zeigt der Test die Eignung für den eigenen Workflow und nicht nur die Qualität einer einzelnen Demoantwort.
Ein Prompt für den ersten kontrollierten Test
"Analysiere ausschließlich die bereitgestellten Dokumente. Erstelle eine Tabelle mit Thema, Fundstelle, aktuellem Wortlaut, Abweichung von unserem Standard und offener Frage. Wenn eine Information fehlt, schreibe 'nicht im Dokument gefunden'. Nimm keine rechtliche Freigabe vor."
Teste zunächst mit einem freigegebenen oder anonymisierten Dokument. Dokumentiere Produktvariante, Einstellungen, Quellen und erwartetes Ergebnis, damit der Versuch wiederholbar bleibt. Für einen direkten Vergleich kannst du CASUS kostenlos testen.
FAQ
Ist Claude ein spezialisiertes Legal-AI-Modell?
Claude ist ein allgemeines KI-Modell und Produktökosystem. Anthropic bietet Workflows und Integrationen für Legal-Teams, aber die rechtliche Spezialisierung entsteht durch Quellen, Anweisungen, angebundene Systeme und den kontrollierten Prozess.
Trainiert Anthropic mit Verträgen aus kommerziellen Angeboten?
Nach Anthropic werden Inhalte aus kommerziellen Angeboten standardmäßig nicht zum Training verwendet, außer der Kunde optiert ausdrücklich ein. Das beantwortet die separate Frage nach Speicherung und Aufbewahrung nicht.
Werden Claude-Daten in Europa gespeichert?
Anthropic erklärt, dass kommerzielle Kundendaten standardmäßig in den USA gespeichert werden, sofern nichts anderes vereinbart wurde. Verarbeitung kann in mehreren Regionen stattfinden. Prüfe deshalb die konkrete Vertragsfassung und Konfiguration.
Reicht Zero Data Retention für vertrauliche Vertragsarbeit?
Nein. ZDR kann ein wichtiger Baustein sein, ersetzt aber weder AVV, Unterauftragnehmer- und Transferprüfung noch Berechtigungen, Mandatsbedingungen, Verschwiegenheitspflicht und die Kontrolle der Ausgabe.
Für welche Vertragsaufgaben eignet sich Claude?
Gut abgrenzbare Aufgaben mit prüfbarem Ergebnis eignen sich am besten: Extraktion, Vergleich, erste Formulierungen und Zusammenfassungen mit Fundstellen. Die abschließende rechtliche und geschäftliche Entscheidung bleibt beim Legal-Team.







