AI:ssociate ist der bekannteste juristische KI-Assistent Österreichs, vom Rechtsanwaltskammertag beworben. Er rechnet allerdings in Kontingenten: 25 bis 250 Recherchen, 5 bis 125 Uploads und zwei bis fünf Entwürfe pro Monat. Wer täglich an Dokumenten arbeitet, stösst genau dort an eine Grenze. CASUS deckt dieselben Primärquellen ab, rechnet aber nicht in Stück.
Dieser Text ordnet ein, für wen das passt und für wen nicht. Die Angaben zu AI:ssociate stammen mit Stand August 2026 aus dessen eigener Preisliste und Produktdarstellung und lassen sich dort nachprüfen. Geschrieben ist er von CASUS, einem Anbieter im selben Markt.
Was AI:ssociate ist
AI:ssociate wird von der AI:ssociate FlexCo in Wien entwickelt, entstanden aus der Kanzlei Grama Schwaighofer Vondrak, mit einer Referenzliste, die von act legal über die GRAWE bis zur Holding Graz reicht. Das Produkt ruht auf drei Säulen: Recherche mit klickbaren Quellen, Analyse eigener Dokumente und Draft für strukturierte Entwürfe. Abgedeckt sind Zivilrecht, Strafrecht, öffentliches Recht und Steuerrecht, dazu nach eigener Angabe das Unionsrecht.
Seit kurzem gibt es Add-ins für Microsoft Word und Outlook, sodass sich Dokumente und E-Mails im gewohnten Programm bearbeiten lassen. Hochgeladene Dokumente werden vor der Verarbeitung automatisch pseudonymisiert, die Server stehen in Europa, und der ÖRAK bescheinigt dem Produkt in einem auf der Startseite zitierten Satz juristische Qualität, DSGVO-Konformität und die Einhaltung der anwaltlichen Verschwiegenheit.
Das ist ein ausgereiftes, ernstzunehmendes Produkt mit einer Kundenliste, die für sich spricht. Besonders stark ist es dort, wo Generalistinnen und Generalisten sich schnell in fremde Rechtsgebiete einarbeiten müssen, und bei der öffentlichen Verwaltung, wo der Gemeindeverband FLGÖ nach Tests eine Empfehlung ausgesprochen hat.
Die Rechnung, die nach dem dritten Mandat aufgemacht wird
AI:ssociate nennt seine Preise öffentlich, was in diesem Markt die Ausnahme ist. Stand August 2026, netto pro Nutzer und Monat zuzüglich Umsatzsteuer:
Paket | Preis | Recherchen | Drafts | Uploads |
|---|---|---|---|---|
Small | 39 Euro | 25 | 2 | 5 |
Premium | 69 Euro | 100 | 3 | 50 |
Expert | 99 Euro | 250 | 5 | 125 |
Die Draft-Spalte ist die entscheidende. Selbst im größten Paket für 99 Euro sind fünf Entwürfe pro Monat enthalten. Wer zusätzliche braucht, bucht ein Add-on für weitere 39 Euro monatlich, das je nach Basispaket 5, 15 oder 30 Drafts ergänzt.
Für eine Kanzlei, die überwiegend Rechtsfragen klärt, ist das eine schlüssige Rechnung. Für eine Kanzlei, die Verträge bearbeitet, ist es keine. Ein einzelnes Transaktionsmandat verbraucht die fünf Entwürfe an einem Vormittag, und die Uploadgrenze von fünf Dokumenten im Einstiegspaket ist erreicht, bevor die erste Due Diligence begonnen hat.
Der eigentliche Punkt ist nicht die Höhe der Zahlen, sondern was sie über die Bauart verraten: Ein Werkzeug, das in Recherchen und Entwürfen abrechnet, ist für Recherche und Entwürfe gebaut. Ein Werkzeug für die Vertragsarbeit müsste in Dokumenten denken, und Dokumente kommen nicht in Kontingenten.
Pseudonymisierung: Sicherheitsgewinn oder Vorbedingung
Die automatische Pseudonymisierung vor der Verarbeitung ist ein sinnvolles Merkmal, und AI:ssociate wird dafür von Nutzern ausdrücklich gelobt. Sie beantwortet allerdings eine Frage, die sich je nach Architektur gar nicht stellt.
In Erstgesprächen mit Kanzleien kommt eine Frage regelmässig zuerst, noch vor jeder Funktionsfrage: ob Dokumente vor dem Hochladen anonymisiert werden müssen. Die Antwort hängt davon ab, wo verarbeitet wird und was der Modellanbieter mit den Inhalten macht. Bei CASUS liegen die Mandatsinhalte auf Google Cloud in der Region Zürich, die Inferenz läuft über Vertex AI in Belgien und Azure OpenAI in der Schweiz und Schweden, nicht in den USA, und Zero Data Retention ist mit den Modellanbietern vereinbart. Eine vorherige Pseudonymisierung ist deshalb nicht erforderlich; sie existiert als Funktion für die Weitergabe an Dritte, nicht als Bedingung der Nutzung.
Wer beide Ansätze bewertet, sollte deshalb nicht fragen, ob pseudonymisiert wird, sondern warum. Die Angaben zu Hosting, Verschlüsselung und Berufsrecht stehen auf unserer Sicherheitsseite.
Für österreichische Kanzleien lohnt sich dabei ein Blick auf § 40 Abs. 3 RL-BA 2015. Die Norm erlaubt externe Dienstleister zur elektronischen Datenverarbeitung, verlangt aber unter anderem eine vertragliche Zusage, den Anwalt bei einer Hausdurchsuchung unverzüglich zu informieren. Bei CASUS steht diese Zusage im Österreich-Annex der Geschäftsbedingungen, mit ausdrücklichem Verweis auf § 40 Abs. 3 Z 3 RL-BA 2015 und der Einschränkung, soweit gesetzlich zulässig. Eine allgemeine Aussage zur Konformität ersetzt diese Klausel nicht, und wer vergleicht, sollte sie sich im Vertragstext zeigen lassen.
Was CASUS zusätzlich leistet
AI:ssociate analysiert eigene Dokumente und prüft Vertragsklauseln gegen die Rechtslage. Drei Aufgaben der Vertragsarbeit weist es nach eigener Darstellung nicht aus, und sie machen in einer Kanzlei mit Vertragslast den Unterschied.
Prüfung aus Parteiperspektive. Ein Vertrag ist nicht abstrakt riskant, sondern für eine der beiden Seiten. Ein Risk Review erkennt die Vertragsparteien, analysiert aus der Sicht der eigenen Partei und liefert je Befund eine Zuordnung, die Relevanz und einen Schweregrad, dazu Formulierungsoptionen zum Übernehmen. In der Praxis dauert das ein bis drei Minuten und ergibt im Schnitt rund zwanzig Befunde.
Abgleich gegen den eigenen Standard. Die zweite Frage bei jedem eingehenden Vertrag lautet, ob er dem entspricht, was die Kanzlei als Standard gesetzt hat. Ein Benchmark prüft gegen ein hinterlegtes Playbook, benennt fehlende Themenbereiche und unvollständige Regelungen, etwa eine Haftung ohne Begrenzung, und gibt die Übereinstimmung als Prozentwert aus.
Auswertung ganzer Bestände. Bei einer Due Diligence geht es nicht um ein Dokument, sondern um zweihundert. Gefragt ist dann eine Tabelle, deren Spalten auf selbst definierten Extraktionsfeldern beruhen, damit sich Haftung, Kündigung und Service Level über den Bestand vergleichen lassen. Ein Uploadkontingent von 125 Dokumenten im Monat setzt hier eine harte Grenze.
Wo diese Arbeit stattfindet, ist keine Nebenfrage: Bei CASUS entfallen rund 80 Prozent der Nutzung auf das Word-Add-in und nicht auf die Web-Anwendung.
Nach den Gratismonaten
Über die ÖRAK-Kooperation ist AI:ssociate drei Monate kostenlos nutzbar, dazu kommt eine kostenlose Testwoche für alle. Das ist ein günstiger Einstieg, und die Kammerempfehlung nimmt einer Kanzlei einen Teil der Auswahlarbeit ab.
Sie beantwortet allerdings nicht die Frage, die nach Monat vier zählt: welches Paket es dann sein muss, und ob dessen Kontingente zur eigenen Arbeit passen. Wer die Gratismonate nutzt, sollte sie deshalb nicht mit Musterdokumenten füllen, sondern mit laufenden Akten, und dabei mitzählen: wie viele Recherchen, wie viele Entwürfe, wie viele Uploads tatsächlich anfallen. Genau daran scheitern Evaluierungen am häufigsten. Wird mit einem alten NDA getestet, bleibt der Nutzen unsichtbar, weil der Nutzen bei den echten Fällen liegt. Das ist kein Akzeptanzproblem, sondern eines des Testaufbaus.
Die Unterschiede auf einen Blick
Kriterium | CASUS | AI:ssociate |
|---|---|---|
Ausrichtung | Dokumentarbeit, Recherche integriert | Recherche und Entwürfe |
Österreichische Primärquellen | ✓ | ✓ |
Word-Add-in | ✓ | ✓ |
Automatische Pseudonymisierung vor der Verarbeitung | nicht erforderlich | ✓ |
Risikoprüfung aus Parteiperspektive mit Schweregrad | ✓ | k. A. |
Abgleich gegen ein eigenes Playbook | ✓ | k. A. |
Auswertung ganzer Dokumentbestände | ✓ | k. A. |
Abrechnung | ohne Kontingent | Recherchen, Drafts, Uploads je Monat |
k. A. heißt: vom Anbieter nicht ausgewiesen, Stand August 2026.
Welches Werkzeug wann
Für AI:ssociate spricht, wer über mehrere Rechtsgebiete hinweg recherchiert, sich regelmässig in fremde Materien einarbeitet, mit Unionsrecht arbeitet, in der öffentlichen Verwaltung tätig ist, ein knappes Budget hat oder Wert auf die Kammerempfehlung legt.
Für CASUS spricht, wer neben der Recherche täglich fremde Verträge auf den Tisch bekommt, gegen eigene Standards abgleicht, aus Parteiperspektive verhandelt, ganze Dokumentbestände auswerten muss oder absehbar mehr als eine Handvoll Entwürfe im Monat braucht. In den meisten Kanzleien ist das der größere Teil des Tages, und keine dieser Aufgaben rechnet in Stück.
Wer beides tut, sollte die Summe rechnen statt der Einzelpreise: Das Expert-Paket mit dem Draft-Add-on liegt bei 138 Euro im Monat und damit im Bereich einer Plattform ohne jedes Kontingent, nur eben mit dreissig Entwürfen als Obergrenze. Eine Übersicht über alle Anbieter mit Österreich-Bezug gibt der Anbietervergleich für Österreich, und wie sich ein reines Rechercheprodukt davon unterscheidet, zeigt der Vergleich mit RechtGPT.
Wer prüfen will, ob die Dokumentarbeit den Unterschied macht, kann CASUS vierzehn Tage kostenlos testen, ohne Mindestvertragsdauer und ohne Kontingent. Sinnvoll ist das nur mit echten Verträgen aus dem laufenden Betrieb. Der Zugang lässt sich in wenigen Minuten einrichten.
FAQ
Was kostet AI:ssociate?
Stand August 2026 nennt AI:ssociate drei Pakete netto pro Nutzer und Monat zuzüglich Umsatzsteuer: Small für 39 Euro mit 25 Recherchen, 2 Drafts und 5 Uploads, Premium für 69 Euro mit 100 Recherchen, 3 Drafts und 50 Uploads, Expert für 99 Euro mit 250 Recherchen, 5 Drafts und 125 Uploads. Zusätzliche Draft-Kontingente kosten 39 Euro monatlich. Es gibt eine Variante nur für Steuerrecht und eine kostenlose Testwoche.
Wie viele Entwürfe sind bei AI:ssociate enthalten?
Zwei im Small-Paket, drei im Premium-Paket und fünf im Expert-Paket, jeweils pro Monat und Nutzer. Wer mehr braucht, bucht ein Add-on für 39 Euro monatlich, das je nach Basispaket 5, 15 oder 30 zusätzliche Drafts enthält.
Hat AI:ssociate ein Word-Add-in?
Ja. AI:ssociate bietet nach eigenen Angaben Add-ins für Microsoft Word und Outlook, sodass Dokumente und E-Mails ohne Wechsel des Programms bearbeitet werden können.
Welche Rechtsgebiete deckt AI:ssociate ab?
Zivilrecht, Strafrecht, öffentliches Recht und Steuerrecht, dazu nach eigener Angabe das Unionsrecht. Alle drei Pakete enthalten denselben Rechtsgebietsumfang; die Unterschiede liegen ausschließlich bei den Kontingenten. Zusätzlich gibt es eine reine Steuerrechtsvariante.
Was bedeutet die ÖRAK-Empfehlung?
Der Österreichische Rechtsanwaltskammertag bewirbt AI:ssociate mit drei Gratismonaten und wird auf dessen Startseite mit einem Satz zu juristischer Qualität, DSGVO-Konformität und anwaltlicher Verschwiegenheit zitiert. Der ÖRAK bewirbt daneben ein zweites Angebot, BEAMON AI, mit sechs Gratismonaten. Eine Empfehlung ersetzt die eigene Prüfung nicht, insbesondere nicht die Frage nach dem Anschlusspreis.
Müssen Dokumente vor dem Hochladen pseudonymisiert werden?
Bei AI:ssociate geschieht das automatisch vor der Verarbeitung. Bei CASUS ist es nicht erforderlich, weil in der Schweiz und der EU verarbeitet wird und Zero Data Retention mit den Modellanbietern vereinbart ist. Entscheidend für die Bewertung ist nicht, ob pseudonymisiert wird, sondern wo verarbeitet wird und ob der Modellanbieter Inhalte zwischenspeichert.
Kann AI:ssociate Verträge gegen ein Playbook prüfen?
AI:ssociate analysiert eigene Dokumente und prüft Vertragsklauseln gegen die geltende Rechtslage. Einen Abgleich gegen ein hinterlegtes Playbook mit Prozentwert oder eine strukturierte Risikoprüfung aus Parteiperspektive mit Schweregraden je Befund weist es nach eigener Darstellung nicht aus. Bei CASUS sind beide Teil des Standardumfangs.
Ist CASUS eine Alternative zu AI:ssociate?
Für die Recherche in österreichischen Primärquellen decken beide dasselbe ab. Der Unterschied liegt bei der Arbeit am Dokument: Risikoprüfung aus Parteiperspektive mit Schweregrad je Befund, Abgleich gegen ein hinterlegtes Playbook und Auswertung ganzer Bestände weist AI:ssociate nach eigener Darstellung nicht aus. Dazu rechnet CASUS ohne Kontingent, was bei täglicher Dokumentarbeit den Ausschlag gibt.







