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CASUS x Lawlift: Was der erste strategische Exit im Schweizer Legal-Tech über den Markt verrät

Autor:

Fabian Staub | Co-Founder und CEO

·

5 Minuten

Lesezeit

Im Schweizer Legal-Tech passiert vieles leise und genau deshalb war diese Transaktion so bemerkenswert: CASUS hat die Produktlinie „CASUS Create“ (No-Code Document Automation) an das Berliner Unternehmen Lawlift verkauft und sich damit strategisch neu positioniert. In einem Interview sprechen Celeste Urech und Fabian Staub darüber, warum sie diesen Schritt gegangen sind, was sie daraus gelernt haben, und wie sie den Schweizer Legal-Tech-Markt in den nächsten Jahren einschätzen.

Dieser Artikel fasst die wichtigsten Aussagen aus der Episode der Video-Podcastreihe „ROI – Return on Intelligence“ der Bridge Legal Group AG mit Host Karin Mülchi zusammen.

1) Warum CASUS „Create“ verkauft hat: Fokus statt Parallelwelt

Der zentrale Grund ist klar: Fokus. Céleste und Fabian beschreiben, dass sich Rechtsmarkt und Technologie so stark verändert haben, dass heute Dinge möglich sind, die vor wenigen Jahren schlicht nicht machbar waren, und genau diese Veränderungen hätten ihre Vision für die Zukunft juristischer Arbeit neu befeuert.

Gleichzeitig lief „CASUS Create“ als Legacy-Produkt erfolgreich. Aber als kleines Team sei es schwierig, zwei Produktlinien mit voller Konsequenz weiterzuentwickeln. Der Exit war deshalb nicht nur eine Opportunität, sondern auch eine Entscheidung für Klarheit: ein Produkt, eine Vision, ein Fokus.

Dazu kommt ein zweiter Punkt, der im Interview mehrfach mitschwingt: Kundenkontinuität. CASUS wollte nicht „abschneiden“, sondern eine Nachfolgelösung bieten, die den hohen Anforderungen ihrer Nutzer:innen gerecht wird. In Lawlift sahen sie diesen Fit.

2) Das wichtigste Learning aus dem Deal: Erst Vision, dann Details

Besonders spannend ist die Rückschau auf einen früheren, gescheiterten Anlauf mit einem anderen Softwareunternehmen. Die Erkenntnis: Beim ersten Mal war CASUS schon tief in ökonomischen und juristischen Details, bevor die strategische Richtung wirklich geklärt war. Rückblickend überrascht es sie nicht, dass es dann nicht an Kleinigkeiten scheiterte, sondern daran, dass das „grosse Ganze“ nicht passte.

Bei Lawlift lief es anders: zuerst offene Gespräche über Werte, Ziele und das gemeinsame Fundament und erst danach die Details. Das ist ein starkes Muster, das man auch jenseits von M&A kennt: Wenn Alignment fehlt, machen perfekte Vertragsklauseln den Deal nicht „wahr“.

3) Wer ist Lawlift – und warum ist die Schweiz für ausländische Player so attraktiv?

Im Gespräch ordnet CASUS Lawlift als führenden Anbieter für Document Automation im deutschsprachigen Europa ein. Lawlift hat bereits in der Schweiz grössere Kunden und durch den Deal würden nun zusätzliche CASUS-Create-Kunden zu Lawlift wechseln.

Interessant ist die Positionierung: Aus Sicht von CASUS war Lawlifts Interesse weniger technologisch motiviert, sondern stark marktgetrieben: Kundenzugang und Marktanteil in der Schweiz. Das passt zu dem, was viele beobachten: Der Schweizer Markt ist klein, aber attraktiv, weil Zahlungsbereitschaft und Qualitätsanforderung hoch sind – gleichzeitig ist Mehrsprachigkeit und Marktfragmentierung eine echte Challenge.

4) CASUS nach dem strategischen Exit: „Gekommen um zu bleiben“

Eine klare Aussage im Interview: CASUS geht nicht weg. Sie bleiben in der Schweiz, verkaufen „Create“, aber fokussieren nun vollständig auf das zweite Produkt, das sie als „AI Associate“ beschreiben. Ihre Ambition ist, in spezifischen Tasks im Schweizer und DACH-Markt sehr weit vorne zu sein – und mittelfristig ein modernes Standard-Tooling für Anwält:innen zu werden direkt dort, wo sie ohnehin arbeiten: in Microsoft Word.

Diese „in-Word“-These ist strategisch stark, weil sie nicht bei „AI kann alles“ startet, sondern beim Workflow-Realismus: Vertragsarbeit ist Word-Arbeit. Tools, die das ignorieren, erzeugen Reibung.

5) Konkurrenz durch Harvey & Legora: „HubSpot vs Salesforce“

Der Blick auf internationale Player ist im Interview sehr nüchtern. CASUS argumentiert: Harvey und Legora haben sehr grosse Finanzierungsrunden und damit den Druck, extrem gross zu werden. Das zwingt zu aggressivem globalem Vertrieb, vor allem in grossen Kanzleien, weil nur dort die Deal Sizes gross genug sind.

CASUS positioniert sich bewusst anders: kleinere und mittlere Kanzleien und Teams, keine komplexen Rollouts, weniger Bedarf nach Innovation-Team und IT-Projekt. Sie beschreiben das bildhaft als „HubSpot zu Salesforce“: zugänglicher, schneller ausrollbar, pragmatischer.

Gleichzeitig betonen sie einen Vorteil, der besonders für die Schweiz relevant ist: Swissness. Feedback-Loops sind kürzer, lokale Bedürfnisse fliessen schneller ins Produkt. Für internationale Anbieter ist die Schweiz oft ein „kleiner Fisch“ – sie bauen für viele Märkte gleichzeitig. Für CASUS ist die Schweiz Kernmarkt und damit Produktrealität.

6) Marktbild: Fragmentierung bleibt, aber Konsolidierung nimmt zu

CASUS erwartet mehr M&A-Aktivität, weil zwei Kräfte gleichzeitig wirken:

  • Anbieter fokussieren sich auf spezielle Aufgaben (Spezialisierung)

  • Kund:innen wünschen sich trotzdem „alles aus einer Hand“ (Integration)

Diese Spannung führt häufig zu Zusammenschlüssen und gleichzeitig, so die Einschätzung, werden auch Player wieder verschwinden, wenn sie opportunistisch gestartet sind, aber die juristische Praxis nicht tief genug verstehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Jurist:innen sind heute deutlich besser im Software-Einkauf als vor fünf Jahren. Teams sind spezifischer in ihren Anforderungen, prüfen Anbieter strukturierter und verstehen Use Cases besser. Das wird den Markt härter machen – und langfristig professioneller.

7) „Ist das eine Bubble?“ – CASUS trennt Hype von messbarer Nutzung

Auf die Hype-Frage antworten sie mit einem interessanten Vergleich: Bubbles seien ein Marktphänomen. Selbst wenn es eine Korrektur gibt, verschwinden Modelle und Tooling nicht mehr. Entscheidend sei, ob ein Produkt im Alltag genutzt wird – und dort verweisen sie auf messbare Effekte: weniger Fehler, schnelleres Arbeiten. Das ist eine klare Abgrenzung zwischen AI-Narrativ und AI-Produktivität.

8) Vision & Kultur

Die Vision für die nächsten 3–5 Jahre formulieren sie sehr konkret: CASUS soll ein Standard-Werkzeug werden in der Schweiz, im DACH-Rauch und darüber hinaus, Monkey Work automatisieren und Jurist:innen Zeit für strategische Arbeit, Stakeholder-Beratung und den menschlichen Teil der Kund:innenbetreuung geben.

Zum Schluss kommt eine Anekdote aus dem Exit-Prozess, die hängen bleibt: In den Übergabegesprächen mit Kunden wurde ihnen bewusst, dass man nicht nur ein Produkt übergibt, sondern Gewohnheiten, Verantwortung und Beziehungen. Gerade im Tech-Alltag ist das eine gute Erinnerung daran, dass Legal-Tech nicht nur „Software“ ist – sondern ein Teil von Arbeitsrealität.

Fazit: Ein Exit als Signal – und als Aufbruch

Was dieses Interview so wertvoll macht: Der Exit wird nicht als „Finale“ erzählt, sondern als strategischer Schritt in eine neue Phase. Fokus, Word-Integration, Swiss-Hosted-Realität, schneller Feedback-Loop und klare Zielgruppe (SMB-Kanzleien/Teams) – das sind die Leitplanken, die CASUS nach der Transaktion betont.

Und für den Markt ist es ein Signal: Schweizer Legal-Tech wird erwachsener. Käufer, Verkäufer, Konsolidierung, Spezialisierung – alles bewegt sich stärker in Richtung Produkt- und Marktlogik, statt reinem Experiment.

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