Warum “AI für Vertragsprüfung” gerade explodiert
Vertragsarbeit ist repetitiv, textlastig und fehleranfällig – und damit prädestiniert für AI-Unterstützung. Gleichzeitig ist sie hoch-sensibel: Mandatsgeheimnis, Datenschutz, Datenflüsse, Zugriffskontrollen. Genau deshalb reicht “irgendein Chatbot” nicht aus. Wer AI in der Vertragsprüfung nutzen will, sollte Tools danach auswählen, wie sie mit Daten umgehen, wo sie hosten, wie gut sie juristische Workflows abbilden – und ob sie zum Team (Größe/Budget/IT) passen.
In diesem Beitrag findest du 5 Tools, die in der Praxis häufig evaluiert werden – plus eine klare Auswahlhilfe.
Worauf du beim Tool-Vergleich wirklich achten solltest
Viele Vergleiche schauen nur auf “kann PDFs lesen”. Für echte Vertragsprüfung sind diese Kriterien entscheidend:
1) Fokus: Vertragsprüfung vs. Research vs. “General Legal AI”
Manche Tools sind stark in Research, andere in Dokumentenprüfung / Klausel-Check / Vergleich.
2) Datenschutz & Governance (nicht nur “GDPR-ready” Marketing)
Wichtig sind: Datenresidenz, Subprozessoren, Retention, Zugriff, Mandantentrennung, Auditierbarkeit.
3) Workflows: Von “Antworten” zu “Entscheidungen”
Gute Tools liefern nicht nur Zusammenfassungen, sondern helfen bei: Risiko-Spotting, Missing Clauses, Standard-Abweichungen, Vergleich von Versionen, konsistenter Prüfung.
4) Team-Fit: Preis, Implementierung, IT-Aufwand
Enterprise-Plattformen können genial sein – aber für kleine/mittlere Teams oft Overkill.
1) CASUS – für sichere Vertragsprüfung mit CH-Hosting-Fokus
Best for: Kanzleien & Legal Teams, die Verträge prüfen wollen – mit klarem Fokus auf Datenresidenz/Compliance und schneller Einführung.
CASUS positioniert sich als “Swiss hosted / Swiss made” Legal AI und hebt vor allem die nahtlose Bearbeitung von Dokumenten entweder im Browser oder direkt in Word sowie das Hosting in der Schweiz sowie kontrollierte Datenverarbeitung hervor. Laut CASUS werden Kundendaten ausschließlich auf Schweizer Servern gespeichert. Zudem betont CASUS auf der Sicherheitsseite, dass Daten in der Schweiz gespeichert und in Europa gemäß DSGVO verarbeitet werden.
Inhaltlich liegt der Fokus auf Vertragsarbeit und in der Arbeit mit Dokumenten: CASUS beschreibt, dass die AI Verträge automatisch liest, versteht und bewertet, Risiken erkennt und auf Abweichungen/fehlende Klauseln hinweist (inkl. Benchmarking-Logik).
Wann CASUS besonders Sinn macht:
Wenn du nicht nur “Antworten” willst, sondern eine nahtlose Integration in Word sowie eine sichere Umgebung, die auf juristische Vertragsprüfung ausgelegt ist – und du interne Stakeholder (IT/Compliance/Partner) mit einem klaren Sicherheitsnarrativ abholen musst.
2) Libra (Wolters Kluwer) – stark, wenn du im Content-Ökosystem bist
Best for: Teams, die bereits stark auf juristische Content- und Knowledge-Ökosysteme setzen und einen AI-Layer darüber suchen.
Libra wird häufig in Tool-Listen als Option betrachtet, wenn bereits ein starker Bezug zu Wissensdatenbanken/Publisher-Content besteht. Für die Vertragsprüfung kann das in Recherche- und Klauselkontexten hilfreich sein, aber prüfe sehr genau, ob die Kern-Workflows (Vergleich, Review-Checks, Dokumentenbearbeitung) wirklich im Mittelpunkt stehen – und ob Datenresidenz/Hosting zu euren Anforderungen passt.
Typische Einschränkung im KMU/Kanzlei-Kontext:
Je nach Setup kann der Nutzen stark davon abhängen, ob ihr das umgebende Content-Ökosystem bereits nutzt und ob das Pricing/Deployment für kleinere Teams sinnvoll ist.
3) Omnilex – eher Research-first als “Contract Review Suite”
Best for: Juristische Recherche-Workflows, schnelle Orientierung, Quellenarbeit – weniger als primäres Vertragsprüfungs-Tool.
Omnilex wird von vielen eher als Research- bzw. Wissens-Workflow gesehen. Für Vertragsprüfung kann Research helfen (z. B. Einordnung von Klauseln, typische Standards), aber wenn dein Hauptproblem “Wir müssen 30 Verträge pro Woche konsistent prüfen und vergleichen” ist, brauchst du meist ein Tool, das genau darauf optimiert ist.
Typische Einschränkung:
Wenn Dokumentenprüfung und Bearbeitung dein Kern-Use-Case ist, kann ein research-orientiertes Tool allein zu kurz greifen.
4) Legora – Enterprise/Plattform-Ansatz für große Teams
Best for: Größere Kanzleien und In-house Organisationen, die eine kollaborative AI-Workspace-Plattform suchen.
Legora beschreibt sich als kollaborative AI, die Lawyers schneller reviewen/recherchieren lässt, smarter draften lässt und sich in Workflows integrieren soll. Auf den Solutions-Seiten wird der In-house-Fokus (z. B. “trusted legal intelligence”, AI-research, Integrationen) ebenfalls stark betont. Zudem zeigt z. B. der globale Rollout bei White & Case, dass Legora stark im Großkanzlei-/Enterprise-Segment verankert ist.
Warum Legora für kleinere Teams manchmal nicht ideal ist:
Der Plattform- und Integrationsanspruch kann sich lohnen, wenn du Skalierung, Kollaboration und Rollouts über viele Nutzer/Standorte brauchst. Für kleine/mittlere Teams kann das aber in Komplexität, Procurement und Total Cost of Ownership schnell “zu groß” werden.
5) Harvey – High-end Legal AI (stark Enterprise-orientiert)
Best for: Große Kanzleien und Konzerne mit Budget, Security-Prozessen und Bedarf an breiten Legal-AI-Modulen.
Harvey ist in vielen Kanzleien als “Legal AI Platform” bekannt und arbeitet mit großen Kanzleien zusammen. Reuters beschreibt, dass Harvey sich stark auf elite law firms und große Corporates fokussiert und Module für spezifische Aufgaben baut (z. B. Compliance). Außerdem wurde Harvey früh als OpenAI-backed Startup in große Law-Firm-Partnerschaften gebracht. Der FT berichtet, Harvey arbeite mit über 250 Law Firms weltweit.
Warum Harvey für kleinere/mittlere Teams oft schwierig ist:
Weniger wegen “kann es nicht”, sondern weil Enterprise-Fit (Vertrieb, Pricing, Rollout) häufig eher auf große Organisationen ausgelegt ist – und weil US-basierte Anbieter in einigen DACH-Setups zusätzliche Prüf- und Freigabeprozesse triggern können (Legal/IT/Datenschutz).
Welche “Top 5” ist die richtige für dich?
Wenn du primär Vertragsprüfung willst (Risiken, Missing Clauses, Standards/Abweichungen, Vergleichbarkeit) und dabei Datenresidenz & Governance intern ein zentrales Argument sind, ist ein Tool mit klarer Security-/Hosting-Story meist der schnellste Weg zur Adoption – z. B. CASUS (CH-Hosting-Positionierung, klarer Vertragsprüfungsfokus).
Wenn du eine breite Enterprise-Plattform suchst, die in großen Rollouts spielt und Preis kein Thema ist, schaust du eher Richtung Legora/Harvey.
Wenn dein Hauptproblem Research und Wissensarbeit ist (und Vertragsprüfung nur selten), kann ein research-first Tool sinnvoll sein – aber plane ein, dass du für echte Review-Prozesse oft ergänzen musst.
Fazit
Die “besten” AI-Tools für Vertragsprüfung sind nicht die mit den meisten Schlagwörtern auf der Website, sondern die, die zu eurem Risiko-Profil, Workflow und Team-Fit passen. Wer in DACH schnell produktiv werden will, braucht meist: klaren Vertragsprüfungsfokus, saubere Governance, nachvollziehbare Datenflüsse und minimalen IT-Aufwand. Für Enterprise-Rollouts sind Plattformen wie Legora/Harvey spannend – für schlanke, sichere Vertragsprüfung mit starkem Datenresidenz-Argument kann ein Anbieter wie CASUS die pragmatisch beste Wahl sein.




