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KI und Schweizer Vertragsrecht: Was das OR für den KI-Einsatz bedeutet

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Wer wir sind

Das Schweizer Obligationenrecht (OR) ist seit über einem Jahrhundert das rechtliche Fundament für Verträge in der Schweiz. Heute verändern KI-Werkzeuge, wie sie auf Plattformen wie CASUS eingesetzt werden, die Art, wie Vertragsrecht in der Praxis angewendet wird. Was das OR dabei konkret vorgibt, wo KI helfen kann und wo menschliches Urteil unverzichtbar bleibt, ist für Kanzleien und Inhouse-Legal-Teams gleichermassen relevant.

Das OR als Grundlage des Schweizer Vertragsrechts

Das Obligationenrecht regelt in der Schweiz die Entstehung, den Inhalt und die Beendigung von Schuldverhältnissen. Es gilt dispositiv, sofern die Parteien nichts anderes vereinbaren. Das bedeutet: Ein Grossteil des OR kann vertraglich wegbedungen oder modifiziert werden.

Aus praktischer Sicht hat das erhebliche Konsequenzen. Fehlt eine Klausel zu Haftung, Kündigung oder Gewährleistung im Vertrag, springt das OR als Auffangnetz ein. Das ist keine Schwäche, sondern ein gestalterisches Werkzeug. Wer eine Klausel bewusst weglässt, nimmt die gesetzliche Regelung in Kauf.

Genau hier liegt einer der grössten Mehrwerte von KI in der Vertragsarbeit: Lücken erkennen, bevor sie zum Problem werden.

Wo KI im Schweizer Vertragsrecht ansetzt

KI-gestützte Vertragsanalyse ist kein Ersatz für juristisches Fachwissen. Sie ist ein Werkzeug, das bestimmte Aufgaben schneller und systematischer erledigt als ein Mensch allein.

Lücken und Abweichungen erkennen

Ein typisches Problem im Vertragsalltag: Der Vertrag enthält eine Haftungsklausel, aber keinen Haftungscap. Oder es fehlt eine Regelung zur Datenschutzverantwortlichkeit. Wer solche Lücken manuell sucht, braucht Zeit und ein gutes Gedächtnis für Standardanforderungen.

CASUS, eine Schweizer Legal-AI-Plattform, bietet dafür den Benchmark-Workflow an. Dieser prüft ein Dokument gegen ein internes Playbook oder bewährte Branchenstandards, zum Beispiel für SPA, NDA oder DPA. Das System zeigt an, welche Klauseln fehlen, unvollständig sind oder vom Standard abweichen, und liefert pro Befund einen konkreten Vorschlag, inklusive der Option, eine passende Klausel direkt an der richtigen Stelle im Word-Dokument einzufügen.

Risiken strukturiert priorisieren

Ein Vertrag mit zwanzig Findings ist schwer zu bearbeiten, wenn nicht klar ist, was zuerst angegangen werden soll. Der Risk & Quality Review von CASUS ordnet jedes Finding einer Partei zu und priorisiert nach Schweregrad: niedrig, mittel oder hoch. Das erlaubt es, Verhandlungspotenzial schnell zu erkennen und die Arbeit gezielt zu steuern.

Konsistenz und Sprache prüfen

Gerade in langen Verträgen schleichen sich Fehler ein: ein Begriff wird mal gross, mal klein geschrieben; eine Querverweisung zeigt auf eine nicht existierende Ziffer; ein Platzhalter wurde vergessen. Die Proofread-Funktion von CASUS überprüft Rechtschreibung, Grammatik, Terminologiekonsistenz und strukturelle Elemente wie Nummerierungen, Querverweise und Anhänge, ohne dabei die juristische Bedeutung der Klauseln zu verändern.

Der regulatorische Rahmen: KI und Recht in der Schweiz

Die Schweiz verfügt derzeit über kein spezifisches KI-Gesetz. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) am 12. Februar 2025 beauftragt, bis Ende 2026 einen Vernehmlassungsentwurf für eine KI-Regulierung auszuarbeiten. Geplante Regelungsbereiche umfassen Transparenz, Datenschutz, Nichtdiskriminierung und Aufsicht.

Bis dahin gelten das Datenschutzgesetz (DSG), das allgemeine Haftungsrecht und berufsrechtliche Sorgfaltspflichten als massgebliche Rahmenbedingungen für den KI-Einsatz in der Rechtsberatung.

Was das für die Praxis bedeutet

Für Kanzleien und Legal-Teams bedeutet das: Der Einsatz von KI-Werkzeugen ist heute rechtlich nicht verboten, aber die Sorgfaltspflicht gegenüber Mandanten bleibt unverändert beim Menschen. Anwältinnen und Anwälte bleiben verantwortlich für die Überprüfung und Freigabe von Vertragsentwürfen, unabhängig davon, welche KI-Werkzeuge im Prozess eingesetzt wurden.

Datenschutzkonforme KI-Lösungen gewinnen deshalb an Bedeutung. CASUS hostet Daten ausschliesslich in der Schweiz und der EU, überträgt keine Daten in die USA und speichert keine Nutzerdaten nach der Sitzung (Zero Data Retention). Es gibt zudem keine manuelle Einsichtnahme durch Dritte (No Human Review).

KI-gestützte Rechtsrecherche zum Schweizer OR

Neben der Vertragsanalyse kann KI auch bei der rechtlichen Recherche zu OR-Fragen helfen. Das Legal Research-Modul von CASUS greift auf über 660'000 kantonale und bundesgerichtliche Entscheide sowie auf Gesetzesartikel zu. Relevante Erwägungen aus Entscheiden werden direkt in den Antworten angezeigt, ohne dass man zur ursprünglichen Quelle wechseln muss.

Das ermöglicht strukturierte Ersteinschätzungen zu Fragen wie: Wie behandelt die Rechtsprechung AGB-Klauseln zur Haftungsbeschränkung? Welche Voraussetzungen gelten für die ausserordentliche Kündigung nach OR 337? Die Ergebnisse sind quellenbasiert und nachvollziehbar, nicht generierte Internetantworten ohne Verankerung.

Solche Einschätzungen lassen sich direkt weiterverarbeiten, zum Beispiel als Begründung für eine Klausel, als interne Einschätzung oder als Grundlage für Änderungen via Agent Mode im Chat.

Typische OR-Klauseln und ihre Relevanz für die KI-Analyse

Einige Klauseln sind im Schweizer Vertragsrecht besonders verhandlungsrelevant und kommen regelmässig in der KI-gestützten Vertragsanalyse vor:

Haftungsausschluss und -begrenzung (OR 100/101): OR 100 schränkt den vertraglichen Ausschluss von Haftung für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit ein. Klauseln, die dagegen verstossen, sind nichtig. KI kann erkennen, ob eine Haftungsklausel diese Grenzen beachtet, und fehlende Caps flaggen.

Kündigung (OR 266 ff., OR 337): Bei dauernden Vertragsverhältnissen spielen Kündigungsfristen und ausserordentliche Kündigungsgründe eine zentrale Rolle. Fehlen klare Regelungen, greift dispositives OR-Recht ein, was nicht immer im Interesse beider Parteien ist.

Gewährleistung (OR 197 ff.): Für Kaufverträge gelten gesetzliche Gewährleistungspflichten, die vertraglich modifiziert werden können. Fehlende oder unklare Gewährleistungsregelungen in Lieferverträgen sind ein klassisches Risiko-Flag.

Datenschutz und DSGVO-Compliance: Gerade bei Verträgen mit internationalem Bezug oder bei DPAs ist die Abstimmung mit dem revidierten DSG und der DSGVO relevant. KI kann prüfen, ob Standardklauseln vorhanden sind.

Grenzen der KI im Vertragsrecht

KI-Werkzeuge sind gut darin, strukturierte Muster zu erkennen, Klauseln zu vergleichen und Konsistenz zu prüfen. Bei komplexen Transaktionen mit besonderen Vertragsstrukturen, unklaren Parteiinteressen oder stark verhandelten Individualvereinbarungen stösst jede Automatisierung an ihre Grenzen.

Ohne ein klares Playbook oder definierte Mindestpositionen wird KI zum reinen Markierungswerkzeug, das Findings auflistet, ohne einschätzen zu können, was davon wirklich verhandlungskritisch ist. Die menschliche Entscheidung bleibt unersetzlich, besonders bei der Abwägung zwischen rechtlichem Risiko und kommerzieller Pragmatik.

CASUS für die tägliche Vertragsarbeit nach Schweizer Recht

Wer mit Schweizer Verträgen arbeitet und den KI-Einsatz strukturiert angehen möchte, kann CASUS direkt in Microsoft Word oder über die Web-App nutzen. Die Plattform unterstützt den gesamten Dokumentenlebenszyklus: von der Risikoanalyse über den Standardabgleich bis zur sprachlichen Endkontrolle vor dem Versand.

Interessierte können CASUS kostenlos testen unter app.getcasus.com/signup. Weitere Informationen zu Datenschutz und Hosting finden sich unter /security.

FAQ

Was regelt das Schweizer OR im Vertragsrecht?

Das Obligationenrecht (OR) regelt in der Schweiz die Entstehung, den Inhalt und die Beendigung von Schuldverhältnissen. Es gilt grundsätzlich dispositiv, das heisst, die Parteien können abweichende Regelungen treffen. Fehlt eine Vertragsklausel, gilt die gesetzliche Regelung des OR.

Kann KI Schweizer Vertragsrecht eigenständig anwenden?

KI-Werkzeuge können Klauseln identifizieren, mit Standards vergleichen und Lücken flaggen. Die juristische Einschätzung, ob eine Klausel im konkreten Fall angemessen ist und welche Verhandlungsstrategie sinnvoll ist, bleibt Aufgabe von Juristinnen und Juristen.

Ist KI im Schweizer Vertragsrecht rechtlich erlaubt?

Die Schweiz hat kein spezifisches KI-Gesetz. Der Einsatz von KI in der Vertragsarbeit ist zulässig, solange berufsrechtliche Sorgfaltspflichten eingehalten werden. Anwältinnen und Anwälte tragen weiterhin die Verantwortung für die Qualität ihrer Arbeit.

Welche OR-Klauseln sind für die KI-Analyse besonders relevant?

Besonders häufig geprüft werden Haftungsklauseln (OR 100/101), Kündigungsregelungen (OR 266 ff., 337), Gewährleistungsbestimmungen (OR 197 ff.) sowie Datenschutzklauseln. Diese sind in vielen Verträgen unvollständig oder weichen vom Standard ab.

Wie unterscheidet sich Vertragsanalyse von Vertragsmanagement?

Vertragsanalyse umfasst die inhaltliche Prüfung eines Dokuments: Risikobewertung, Klauselidentifikation und Empfehlungen. Vertragsmanagement betrifft dagegen die Verwaltung von Verträgen über ihren Lebenszyklus, zum Beispiel Fristen, Verlängerungen und Ablage.

Wie stellt CASUS den Datenschutz beim Einsatz von KI sicher?

CASUS hostet Daten ausschliesslich in der Schweiz und der EU, überträgt keine Daten in die USA, speichert keine Nutzerdaten nach der Sitzung (Zero Data Retention) und ermöglicht keinen manuellen Zugriff durch Dritte (No Human Review).

Was ist der Unterschied zwischen einem Benchmark und einem Risk Review bei KI-Tools?

Ein Benchmark prüft, ob ein Vertrag einem definierten Standard entspricht, zum Beispiel ob alle Standardklauseln vorhanden und vollständig sind. Ein Risk Review analysiert dagegen die spezifischen Risiken und Schwachstellen eines bestimmten Dokuments aus der Perspektive einer Vertragspartei.

Kann KI auch bei der Recherche zu OR-Fragen helfen?

Ja. CASUS bietet einen Legal Research-Modus mit Zugriff auf über 660'000 kantonale und bundesgerichtliche Entscheide sowie auf Gesetzestexte. Ergebnisse sind quellenbasiert und direkt im Chat nutzbar, zum Beispiel zur Begründung einer Klauselanpassung.

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