Die meisten Juristinnen und Juristen haben in den letzten zwei Jahren irgendeine Form von KI-Tool ausprobiert. Texte zusammenfassen, Klauseln erklären, Recherchen beschleunigen. Das war die erste Welle. Was sich 2026 abzeichnet, geht einen Schritt weiter: KI, die nicht nur antwortet, sondern handelt. Workflows, bei denen das System eine Aufgabe übernimmt, Entscheidungen trifft, Folgeschritte einleitet – und das innerhalb eines juristischen Dokuments oder Prozesses.
Das nennt sich Agentic AI. Und es ist kein Zukunftsthema mehr.
Was Agentic AI konkret bedeutet
Klassische KI-Tools funktionieren reaktiv: Man gibt etwas ein, man bekommt eine Antwort. Agentic AI ist anders strukturiert. Ein KI-Agent erhält ein Ziel – nicht nur eine Frage – und arbeitet dieses Ziel über mehrere Schritte hinweg ab. Er kann Teilergebnisse auswerten, darauf aufbauen und im Prozess selbst Entscheidungen treffen.
Im juristischen Kontext bedeutet das: statt «Erkläre mir Klausel 8.3» kann eine Aufgabe lauten «Prüfe diesen Vertrag auf Haftungsrisiken, markiere kritische Stellen und schlage Alternativformulierungen vor». Das System führt die Analyse durch, bewertet Schweregrade, identifiziert relevante Passagen und bereitet konkrete Änderungen vor – in einem Durchgang.
Der Unterschied zu bisherigen Tools ist nicht graduell, sondern strukturell. Es geht vom Assistenten zum Ausführenden.
Warum 2026 der Wendepunkt ist
Laut einer vielbeachteten Harvard-Publikation vom März 2026 ist «die Ära des KI-Pilotprojekts vorbei». Kanzleien und Unternehmen, die KI bisher in Einzelversuchen eingesetzt haben, stehen jetzt vor der Frage, wie sie diese Fähigkeiten in echte Arbeitsprozesse integrieren. Der Druck kommt von mehreren Seiten gleichzeitig.
Mandanten erwarten heute konkrete Effizienzgewinne, keine Technologiedemonstrationen. Wer als Kanzlei mit KI arbeitet, soll das in niedrigeren Kosten, schnelleren Durchlaufzeiten oder besseren Ergebnissen zeigen – nicht in Folienpräsentationen. Gleichzeitig drängen neue Anbieter in den Markt, die von Anfang an auf agentische Workflows ausgelegt sind.
Für Schweizer Kanzleien und Inhouse-Teams kommt ein weiterer Faktor hinzu: Datenschutz. Agentische Workflows verarbeiten oft sensible Vertragsdaten, teilweise in grossem Umfang. Die Frage, wo diese Daten verarbeitet werden und wer darauf Zugriff hat, ist in der Schweiz regulatorisch und mandatsseitig nicht trivial.
Die wichtigsten agentischen Workflows im Rechtsbereich
Vertragsanalyse mit automatischer Priorisierung
Einer der praktisch relevantesten Einsatzbereiche ist die automatisierte Risikoanalyse von Verträgen. Klassisch: ein Anwalt liest den Vertrag, markiert Auffälligkeiten, bewertet sie und formuliert Verbesserungen. Agentisch: das System identifiziert Risiken aus Partei-Perspektive, ordnet jedem Finding eine Schwere zu (niedrig, mittel, hoch) und liefert direkt umsetzbare Formulierungsoptionen – die sich ohne Copy-Paste im Dokument übernehmen lassen.
CASUS, eine Schweizer Legal-AI-Plattform, setzt genau diesen Ansatz im Risk & Quality Review um. Das Modul erkennt Vertragsparteien, analysiert Risiken aus der jeweiligen Perspektive und stellt Findings strukturiert mit Zuordnung, Relevanz und Schweregrad dar.
Abgleich gegen Playbooks und Standards
Viele Kanzleien und Rechtsabteilungen arbeiten mit internen Standards: Muster-SPAs, NDA-Vorlagen, Datenschutzklauseln nach eigenem Massstab. Agentische Workflows können ein Dokument automatisch gegen diesen Standard prüfen – nicht nur auf das Vorhandensein von Klauseln, sondern auch auf deren Vollständigkeit und Abweichungen.
Das Benchmark-Modul von CASUS prüft, ob Standardklauseln vorhanden und ausreichend ausgestaltet sind, zeigt fehlende Themenbereiche und gibt den Übereinstimmungsgrad als Prozentwert aus. Wer erkennt, dass ein Vertrag zu 64% mit dem internen Standard übereinstimmt, kann gezielt die Lücken angehen – nicht den ganzen Vertrag von vorne lesen.
Parallelanalyse grosser Dokumentenmengen
Due-Diligence-Prozesse und Compliance-Prüfungen scheitern nicht an fehlendem Know-how, sondern an Volumen. Dutzende oder Hunderte von Verträgen müssen auf spezifische Klauseln, Fristen oder Risikofaktoren geprüft werden. Ein agentischer Workflow kann diese Analyse parallelisieren.
Der AI Data Room von CASUS erlaubt den Upload von vielen Dokumenten gleichzeitig. Die Extraktionsfelder werden per Prompt definiert – welche Klauseln, welche Parameter, welche Abweichungen sollen erfasst werden. Das Ergebnis ist eine strukturierte Tabelle, die sich direkt in Excel oder ein Due-Diligence-Template überführen lässt. Auffälligkeiten wie fehlende Haftungsbegrenzungen oder ungewöhnlich lange Kündigungsfristen werden dabei nach Risiko priorisiert markiert.
Quellenbasierte Rechtsrecherche
Agentische Legal-Research-Workflows verbinden Recherche und Dokumentenarbeit. Statt zwischen Rechtsdatenbank und Textverarbeitung zu wechseln, läuft die Recherche direkt im Kontext der Aufgabe – und die Ergebnisse fliessen unmittelbar in Klauselbegründungen, interne Einschätzungen oder Textänderungen ein.
CASUS bietet einen Legal Research-Modus innerhalb des AI-Chats, der auf über 660'000 kantonale und bundesgerichtliche Entscheide sowie Gesetzesartikel zugreift. Relevante Erwägungen werden direkt im Ergebnis hervorgehoben; eine Vorschau der Entscheidungsinhalte erscheint inline, ohne Klickpfad. Das ermöglicht strukturierte Ersteinschätzungen mit nachvollziehbaren Quellen – direkt verwertbar für die weitere Dokumentenarbeit.
Was agentische Workflows für Schweizer Kanzleien praktisch bedeuten
Der Effizienzgewinn ist real, aber er verlangt auch eine Neuverteilung von Aufgaben. Wer einen agentischen Workflow einsetzt, delegiert nicht einfach eine Tätigkeit – er verschiebt auch die Kontrollfunktion. Das System führt aus; der Anwalt prüft, entscheidet und haftet.
Das ist keine Schwäche des Modells, sondern seine Natur. Agentische Systeme sind darauf ausgelegt, Routine zu übernehmen und Ergebnisse vorzubereiten – nicht, das juristische Urteil zu ersetzen. Die Frage ist, welche Aufgaben wirklich delegierbar sind und welche nicht.
Für die konkrete Praxis heisst das: Vertragsanalyse, Benchmarking, Datenpunktextraktion und strukturierte Recherche lassen sich gut automatisieren. Strategische Verhandlungsführung, mandatsspezifische Risikoabwägung und die Kommunikation mit Mandanten bleiben menschliche Aufgaben.
Datenschutz als Schweizer Spezifikum
Agentische Workflows verarbeiten oft vollständige Vertragstexte, manchmal mit personenbezogenen Daten, Geschäftsgeheimnissen oder mandatssensiblen Inhalten. Für Schweizer Kanzleien ist die Frage der Datenverarbeitung nicht optional.
CASUS verarbeitet Daten ausschliesslich in der Schweiz und der EU, überträgt keine Daten in die USA, und betreibt weder Human Review noch Datenspeicherung nach der Sitzung (Zero Data Retention). Diese Architektur ist keine Marketingaussage, sondern eine Voraussetzung für den Einsatz bei vielen Schweizer Mandaten – besonders im M&A-, Banking- und Regulierungsumfeld.
Weitere Details zur Sicherheitsarchitektur finden sich auf der CASUS Security-Seite.
Wo die Grenzen liegen
Agentische KI liefert strukturierte, quellenbasierte, nachvollziehbare Ergebnisse. Was sie nicht liefert: Gewissheit. Kein System garantiert vollständige Ergebnisse oder ersetzt die juristische Verantwortung.
Konkret heisst das für den Praxiseinsatz: Extraktionsergebnisse aus dem AI Data Room basieren auf definierten Feldern und Prompts – nicht auf automatischer Vollständigkeit. Legal-Research-Outputs sind strukturiert und quellengebunden, aber keine abschliessenden Rechtsgutachten. Risk-Review-Findings priorisieren nach Schweregrad, aber die Entscheidung, welches Risiko verhandelbar ist, liegt beim Anwalt.
Das ist kein Nachteil gegenüber dem Status quo – es ist eine transparente Darstellung dessen, was diese Tools können und was nicht.
CASUS ausprobieren
Wer agentische Legal Workflows in der eigenen Praxis testen möchte, kann CASUS direkt im Browser oder als Word-Add-in nutzen – ohne US-Datentransfer, ohne Human Review, ohne Datenspeicherung nach der Sitzung. Eine kostenlose Testphase ist verfügbar unter app.getcasus.com/signup.
FAQ
Was ist Agentic AI im juristischen Kontext?
Agentic AI bezeichnet KI-Systeme, die nicht nur auf Eingaben reagieren, sondern zielgerichtet mehrere Schritte ausführen – zum Beispiel einen Vertrag analysieren, Risiken priorisieren und Verbesserungsvorschläge ausarbeiten, ohne dass für jeden Schritt ein eigener Prompt nötig ist.
Wie unterscheidet sich Agentic AI von klassischen Legal-Tech-Tools?
Klassische Tools beantworten Fragen oder führen einzelne Funktionen aus. Agentische Workflows verbinden mehrere Schritte zu einem Prozess: Analyse, Bewertung, Entscheidungsvorbereitung und Dokumentenbearbeitung laufen sequenziell oder parallel ab.
Welche juristischen Aufgaben eignen sich für agentische Workflows?
Gut geeignet sind Vertragsanalyse, Playbook-Benchmarking, Klauselextraktion aus vielen Dokumenten, strukturierte Rechtsrecherche und formale Dokumentenprüfung. Weniger geeignet sind strategische Entscheidungen, mandatsspezifische Abwägungen und die direkte Mandantenkommunikation.
Wie sicher sind agentische KI-Workflows mit Schweizer Vertragsdaten?
Das hängt stark vom Anbieter ab. Entscheidend sind: Hosting-Standort (Schweiz/EU vs. USA), ob Daten nach einer Sitzung gespeichert werden, und ob menschliche Reviewer Zugriff auf Inhalte haben. CASUS hostet in der Schweiz/EU, speichert keine Daten nach der Sitzung und hat keinen Human Review.
Ersetzt Agentic AI die juristische Prüfung durch einen Anwalt?
Nein. Agentische Systeme übernehmen strukturierte, repetitive Aufgaben und bereiten Ergebnisse vor. Die juristische Verantwortung, das Urteilsvermögen und die finale Entscheidung bleiben beim Anwalt.
Welche Rolle spielt der EU AI Act für agentische Legal Workflows?
Der EU AI Act klassifiziert bestimmte KI-Anwendungen als hochriskant, darunter solche, die rechtliche Entscheidungen beeinflussen. Für Schweizer Kanzleien, die EU-Mandate bearbeiten oder mit EU-Unternehmen zusammenarbeiten, ist das relevant. Anbieter sollten klare Transparenz über Funktionsweise und Grenzen ihrer Systeme bieten.
Wie sieht ein agentischer Workflow in der Praxis aus?
Ein Beispiel: Ein NDA wird hochgeladen. Das System prüft ihn gegen ein internes Playbook, identifiziert fehlende Klauseln (z.B. keine Löschpflicht, keine Ausnahmen für behördliche Anfragen), bewertet die Schwere jedes Findings und schlägt konkrete Ergänzungen vor – die sich direkt im Word-Dokument an der richtigen Stelle einfügen lassen.
Was kostet der Einstieg in agentische Legal-AI-Workflows?
Das variiert je nach Plattform. CASUS bietet eine kostenlose Testphase an, sodass sich der Einsatz in der eigenen Praxis ohne Vorabinvestition prüfen lässt.







